When the Children cry

Alkoholismus ist eine Suchterkrankung, in Europa Suchterkrankung Nr.1.

Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, dass sie deutliche (geistige) Störungen und Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit aufweisen.

Sie haben Probleme in ihren mitmenschlichen Beziehungen und ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen; oder sie zeigen Prodome (Vorläufer) einer solchen Entwicklung. Deshalb brauchen sie Behandlung.

Formen und Typen des Alkoholismus:

Alpha-Trinker:
Sie sind Erleichterungstrinker, die mit Alkohol ihre Probleme zu lösen versuchen. Sie sind zwar einer fortschreitenden Abhängigkeit ausgesetzt, können aber ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle halten.

Beta-Trinker:
Sie sind Gelegenheitstrinker ohne eine eingetretene Abhängigkeit. Bei ihnen treten vor allem Beschwerden durch Folgekrankheiten auf, z.B. Leberschäden, Magenleiden (Gastritis).

Gamma-Trinker:
Sie sind Suchtkranke, sie sind die eigentlichen Alkoholiker, die vom Alkohol seelisch und körperlich abhängig sind. Sie haben über ihren Alkoholkonsum keine Kontrolle mehr.

Delta-Trinker:
Sie sind "Spiegeltrinker", sie können ihren Alkoholkonsum relativ lange unter Kontrolle halten. Sie sind zwar körperlich, aber nicht seelisch abhängig. Bei schleichender Dauerintoxikation sind sie eher unauffällig.

Epsilon-Trinker:
Sie werden als "Quartalssäufer" bezeichnet. Nach wochenlanger Abstinenz trinken sie tagelang völlig unkontrolliert.

Voralkoholismus

Befriedigende Erleichterung:
Alkoholkonsum hat beim Süchtigen zu Beginn immer auch eine soziale Komponente. Im Gegensatz zum durchschnittlich sozialen Trinker empfindet der spätere Alkoholiker jedoch bald eine befriedigende Erleichterung beim Trinken.

Diese Erleichterung scheint für ihn erheblich, weil entweder grössere Spannungen vorhanden sind oder weil der spätere Alkoholiker nicht gelernt hat seine Spannungen zu kontrollieren.

In letzter Zeit wird der Einfluss des Hirnstoffwechsels, des sogenannten "Belohnungssystems", als Ursache für die Ausbildung einer "Suchtpersönlichkeit" diskutiert. Die Forschungen sind relativ fortgeschritten, eine endgültige Erklärung der Zusammenhänge steht jedoch noch aus. Erste Versuche mit Medikamenten, die dieses Belohnungssystem positiv beeinflussen, laufen zur Zeit.


Gelegenheit gesucht:
Anfänglich schreibt der Trinker seine Erleichterung eher der Situation als dem Trinken zu, zum Beispiel der lustigen Gesellschaft, dem Fest usw., daher sucht er Gelegenheiten, in denen beiläufig getrunken werden kann.


Tägliche Zuflucht:
Im Anfang sieht der so Trinkende nur eine gelegentliche Erleichterung, aber im Laufe eines halben Jahres bis zu zwei Jahren fällt seine Toleranz für seelische Belastungen in einem solchen Masse ab, dass er praktisch täglich Zuflucht zu alkoholischen Getränken nimmt. Da es noch nicht zu offener Trunkenheit kommt, erscheint sein Trinken weder seinen Freunden noch ihm selbst verdächtig.

Gesteigerter Bedarf:
Nach einer gewissen Zeit kann eine Erhöhung der Alkoholtoleranz festgestellt werden. Das heisst, der Trinker braucht eine grössere Menge Alkohol als früher um die gewünschte Beruhigung zu erreichen.


Dauerndes Erleichterungstrinken:
Diese Trinkmethode dauert je nach Umständen einige Monate bis zu zwei Jahren. Sie geht vom Stadium des gelegentlichen zum dauernden Erleichterungstrinken über. Für die gleiche Wirkung wird immer mehr "Stoff" benötigt.


Fortschreiten der Krankheit (Alkoholabhängigkeit)

Erinnerungslücken:
Die prodromale Phase (Vorläuferstadium) wird eingeleitet durch plötzlich auftretende Erinnerungslücken, sogenannte Amnesien. Diese Gedächtnislücken können auftauchen ohne Anzeichen von Trunkenheit.

Der Trinker, der nicht mehr als 50-60 g Alkohol getrunken zu haben braucht, kann eine vernünftige Unterhaltung führen, schwierige Arbeiten leisten, ohne am nächsten Tag eine Spur von Erinnerung daran zu haben; wenn auch manchmal ein oder zwei Einzelheiten ins Gedächtnis zurückgerufen werden können. Bier, Wein und Spirituosen beginnen jetzt praktisch aufzuhören Getränke zu sein, sondern werden vielmehr eine "Medizin", die der Trinker braucht.



Dauerndes Denken an Alkohol:
Das dauernde Denken an Alkohol ist ein weiterer Beweis für seinen Bedarf.

Gieriges Trinken:
Wegen seiner vermehrten Alkoholabhängigkeit tritt jetzt das "gierige Trinken", das Herunterkippen des ersten oder der ersten beiden Gläser auf. Er merkt nun deutlich, dass mit seinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt.

Schuldgefühle:
Durch das Bewusstsein, dass etwas nicht stimmt, entwickeln sich Schuldgefühle wegen seines Trinkverhaltens.

Vermeidung von Anspielungen:
Deshalb beginnt er, bei Unterhaltungen Anspielungen auf Alkohol und Trinkverhalten zu vermeiden.

Zunehmende Gedächtnislücken:
Die immer häufigeren Gedächtnislücken werfen den Schatten der Alkoholsucht voraus. Der Alkoholkonsum war bis hierher schon hoch, fiel aber noch nicht auf, da er zu keinem deutlichen Rausch führte. Hat der Trinker gegen Abend eine "Narkose der Seele" erreicht, beginnt sein Trinken die Nerven- und Stoffwechselvorgänge zu stören. Die Funktion des Alkohols verändert sich: er wird zur Droge.

Der Trinker versucht nun den Alkohol zu verstecken, weil er fürchtet, er könne negativ auffallen. Die prodromale Phase der Sucht kann von sechs Monaten bis zu vier oder fünf Jahren dauern. De kritische Phase beginnt mit dem Einsetzen des Kontrollverlustes. Ab hier spricht man von Alkoholsucht.

Kritische Phasen der Alkoholabhängigkeit

Verlust der Kontrolle:
Kontrollverlust bedeutet, dass bereits nach einer kleinen Menge Alkohol im Körper ein Verlangen nach "mehr" entsteht. Dieses Verlangen hält solange an, bis der Trinker zu betrunken oder zu krank ist für eine weitere Alkoholaufnahme.

Ein Rest von "Kontrolle" besteht jedoch noch. So kann der Trinker noch durch eine Periode freiwilliger Abstinenz gehen. Bis jetzt weiss der Kranke nicht, dass in ihm Vorgänge abgelaufen sind, die eine dauernde Abstinenz unmöglich machen. Er versucht daher ständig, seinen "Willen zu beherrschen".

Erklärungsversuche:
Mit dem Beginn des Kontrollverlustes beginnt der Kranke, sein Trinkverhalten zu erklären. Er produziert die bekannten "Alkoholausreden". Er findet Erklärungen dafür, dass er seine Kontrolle nicht verloren hat, sondern vielmehr ein guter Grund zum Trinken vorhanden ist und er durchaus in der Lage ist, den Alkohol wie jeder andere zu geniessen. Die Erklärungen geben ihm die Gelegenheit, weiter zu trinken. Das ist für ihn von grosser Wichtigkeit, denn er kennt keine andere Möglichkeit zur Lösung seiner Probleme.

Soziale Belastungen:
Dies ist der Anfang eines ganzen "Erklärungssystems", das sich allmählich auf alle Ebenen des Lebens ausbreitet. Es dient als Widerstand gegen "soziale Belastungen", die jetzt entstehen: Eltern, Frau, Mann, Freunde und Arbeitgeber beginnen den Alkoholkranken zu tadeln und zu warnen.

Übergrosse Selbstsicherheit:
Trotz aller Erklärungen kommt es zu einem Verlust des Selbstwertgefühls. Das wird kompensiert durch die "übergrosse Selbstsicherheit nach aussen", die der Kranke an den Tag legt. Extravagante Verschwendung und grossspurige Reden überzeugen ihn selbst, dass er nicht so schlecht ist, wie er manchmal gedacht hat.

Aggressives Verhalten:
Das "Erklärungssystem" isoliert den Kranken zunehmend. Das führt zu der Ansicht, nicht bei ihm sondern bei den anderen liegen die Fehler, was wiederum zu einer Abkehr von der sozialen Umgebung führt. Das erste Zeichen dieser Haltung ist ein auffälliges "aggressives Verhalten".

Dauernde Zerknirschung:
Traten in der prodromalen Phase zeitweise Gewissensbisse auf, entsteht jetzt eine "dauernde Zerknirschung" durch Schuldgefühle. Diese Belastung ist ein neuer Anlass zum Trinken.

Vorübergehende Abstinenz:
Dem sozialen Druck folgend, durchläuft der Kranke jetzt "Perioden völliger Abstinenz".

Änderung des Trinksystems:
Er findet eine andere "Methode" sein Trinken unter Kontrolle zu halten: Er glaubt, seine Schwierigkeiten kontrollieren zu können, indem er sich bestimmte Regeln aufstellt. Er versucht, nicht vor einer bestimmten Tageszeit, nur an bestimmten Orten oder nur diese oder jene Alkoholart zu trinken.

Isolation:
Das Unverständnis der Umgebung ("ein Glas Wein schadet doch nicht") verstärkt diese Haltung noch. Die enorme Energieaufwendung in seinem Kampf schafft Feindseligkeit gegen seine Umgebung und er beginnt "Freunde fallenzulassen" und "Arbeitsplätze zu verlassen".

Wechsel des Arbeitsplatzes:
Diese Phase ist gekennzeichnet durch Verlust der Arbeit und Fallenlassen durch Bekannte. Meist übernimmt der Kranke selbst die Initiative und kündigt Freundschaften und den Arbeitsplatz als vorausschauende Verteidigung.

Interessenverlust, Selbstmitleid:
Alle Gedanken konzentrieren sich auf den Alkohol. Der Kranke richtet den Tagesablauf darauf aus, wie Tätigkeiten sein Trinken stören könnten, nicht wie sein Trinken die Arbeit beeinflusst. Äussere Interessen gehen verloren und es entwickelt sich ein "auffallendes Selbstmitleid".

Flucht:
Isolation und Erklärungen haben ein unerträgliches Mass angenommen. Der Kranke unternimmt "gedankliche" oder eine tatsächliche geografische Flucht ("Ortswechsel").

Änderungen im Familienleben:
Ehepartner und Kinder, die den Trinkenden oft immer noch "decken" (Co-Alkoholismus), ziehen sich aus Angst aus dem gesellschaftlichen Leben zurück oder entwickeln im Gegenteil ausgiebige Aktivitäten, um aus dem häuslichen Umfeld zu entkommen.

Grundloser Unwille:
Diese und andere Vorkommnisse lassen einen "grundlosen Unwillen" beim Alkoholsüchtigen entstehen.

Sichern des Alkoholvorrates:
Der Süchtige versucht, sich einen ständigen Vorrat an Alkohol zu sichern. Das Fehlen von "Stoff" veranlasst abenteuerliche Beschaffungsversuche. Er legt Verstecke an unmöglichen Orten an (leerer Aktenordner, Werkzeugkiste, Blumenbeete, WC-Spülkasten).

Vernachlässigung der Ernährung:
Eine angemessene Ernährung wird vernachlässigt. Das verstärkt die schädliche Wirkung des Alkohols auf den Organismus zusätzlich.

Krankenhauseinweisungen:
Es folgen die ersten Einweisungen in ein Krankenhaus wegen irgendwelchen alkoholbedingten Beschwerden (tiefe Depression, Bewusstlosigkeit, eruptive Gastritis u.a.m.).

Abnahme des Sexualtriebes:
Eine von vielen organischen Auswirkungen ist der Verlust des Sexualtriebes. Dadurch entsteht Feindschaft gegen den (Ehe)Partner, bei dem als Erklärung ausserhelicher Verkehr vermutet wird: "alkoholische Eifersucht".

Morgendliches Trinken:
Gewissensbisse, Unwillen, Kampf zwischen Sucht und Pflichten, Selbstwertverlust, Zweifel und falsche Ermutigung haben den Kranken so weit zerrüttet, dass er den Tag nicht mehr ohne Alkohol kurz nach dem Aufstehen oder schon vorher beginnen kann. Es kommt zum "regelmässigen morgendlichen Trinken".

In der kritischen Phase ist Trunkenheit die Regel. Sie ist noch auf den Nachmittag und die Abendstunden beschränkt, führt aber schliesslich zum morgendlichen Trinken. Die kritische Phase ist gekennzeichnet vom heftigen Kampf des Kranken gegen den Verlust der sozialen Basis. Er kann seiner Arbeit noch nachgehen, bekommt aber zunehmend Schwierigkeiten, die Familie wird vernachlässigt. Der moralische und körperliche Widerstand des Süchtigen gegen das drohende Unheil wird im Verlauf der kritischen Phase immer schwächer.


Chronischer Alkoholismus

Das Ende: Alkohol zerstört den Menschen.

Verlängerter Rausch:
Die alles beherrschende Rolle des Alkohols und das Verlangen ("Craving") durch morgendliches Trinken brechen schliesslich jeden Widerstand des Süchtigen. Er findet sich tagsüber und mitten in der Woche schwer betrunken. In diesem Stadium verharrt er einige Tage, bis er völlig unfähig ist, irgendetwas zu unternehmen.

Ethischer Abbau:
Die ausgedehnten Exzesse haben einen bemerkenswerten "ethischen Abbau" und eine "Beeinträchtigung des Denkens" zur Folge, die jedoch nicht irreversibel sind.

Alkoholische Psychosen:
Bei etwa 10% aller Alkoholiker können jetzt auch echte "alkoholische Psychosen", d.h. alkoholische Geistesstörungen auftreten.

Trinken mit Personen weit unter dem eigenen Niveau
Der Verlust der Moral ist so hoch, dass der Süchtige mit Personen weit unter seinem Niveau trinkt.

Zuflucht zu technischen Produkten:
Wenn nichts anderes vorhanden ist, werden auch technische Produkte, wie Haarwasser, Rheumamittel, vergällter Alkohol, Parfüms u.a. getrunken.

Verlust der Alkoholtoleranz:
Zu dieser Zeit wird gewöhnlich auch der Verlust der Alkoholtoleranz bemerkt, der Alkoholiker verträgt weniger.

Undefinierbare Ängste, Zittern:
Undefinierbare Ängste und Zittern werden eine Dauererscheinung. Sie treten auf, sobald der Alkoholspiegel im Körper sinkt (Entzugserscheinungen). Also kontrolliert der Süchtige dieses Symptom mit Alkohol. Das trifft auch für die "psychomotorischen Hemmungen" zu, etwa die Unfähigkeit, eine Uhr aufzuziehen, ohne vorher Alkohol zu trinken.

Besessenes Trinken:
Die Notwendigkeit, diese Entzugssymptome zu beseitigen, übertrifft alle anderen Bedürfnisse. Das Trinken nimmt den "Charakter einer Besessenheit" an.

Unbestimmte religiöse Wünsche:
Bei vielen Süchtigen, etwa bei 60%, entwickeln sich "unbestimmte religiöse Wünsche", während die Erklärungsversuche schwächer werden.

Erklärungssystem versagt:
Im Laufe der ausgedehnten Exzesse werden die Erklärungen so häufig der unbarmherzigen Wirklichkeit gegenübergestellt, dass das gesamte "Erklärungssystem versagt". Die eigene Niederlage wird vom Süchtigen zugegeben.

Zusammenbrüche:
Als Folge des Eingeständnisses der Niederlage erlebt der Kranke oftmals seelische Zusammenbrüche schwerster Art, die in jedem Fall eine ärztliche Behandlung notwendig machen. Selbstmordversuche sind in diesem Stadium nicht selten.

Alkoholdelirium:
Ein Teil der Kranken zeigt als Folge des Weitertrinkens das Phänomen des gespaltenen Menschen. Die Persönlichkeit wandelt sich. Das Phänomen der Spaltung tritt besonders deutlich in den Alkoholpsychosen hervor und ist vielfach an Sinnestäuschungen gebunden (Hören von Stimmen und visuelle Täuschungen). Diese Krankheitsform wird als "Alkoholdelirium" oder auch als "Prädelir" bezeichnet. Die schwerste und lebensbedrohliche Form ist das "Delirium tremens", das bei plötzlichen Alkoholentzug auftreten kann. In 20% der Fälle endet das Delirium tremens tödlich.

Hilfe:
In dieser (End-)Phase ist der Kranke am ehesten bereit, Hilfe von aussen anzunehmen. Eine Einweisung in eine Entgiftungsklinik (nicht in ein Allgemeinkrankenhaus) ist für ihn lebensrettend und der mögliche Einstieg in eine Entwöhnungsbehandlung.

Prävention am Arbeitsplatz:
Jedermann muss sich bewusst sein, dass eine Früherkennung sehr schwierig ist. Bei einer Alkoholabhängigkeit können Jahre vergehen, bis erste merkliche Anzeichen bestehen (siehe auch Krankheitstypen, Stadien der Abhängigkeit).

Die Alkoholabhängigkeit entwickelt sich meistens über Jahre. Die ersten Anzeichen, dass jemand wirklich alkoholkrank ist, werden erst spät wahrgenommen. Am Anfang fällt einem ein Mitarbeiter vielleicht sogar positiv auf, wenn er (z.B. an einem Betriebsfest) durch Alkohol in gute, kontaktfreudige und kooperative Stimmung kommt.

Leistungsabbau und Persönlichkeitsveränderungen kommen schleichend. In dieser Phase haben Vorgesetzte und auch Mitarbeiter oft noch die Tendenz, Leistungsstandards freiwillig nach unten zu korrigieren, d.h. hie und da ein Auge zu zudrücken, bis dann die Leistung offensichtlich nicht mehr genügend erbracht werden kann.

Alkoholabhängige versuchen in der Regel ihr Problem vor der Umwelt zu verstecken, z.B. auch in dem sie zeitweise die Leistungskurve extrem nach oben bringen und zum Teil Spitzenresultate erreichen.

Diagnose dem Arzt überlassen
Unter allen Umständen sollte vermieden werden, eine Abhängigkeitsdiagnose zu stellen – die endgültige Diagnose stellt in jedem Fall der Arzt.

Vorgesetzte können im Prinzip erst nur beobachten und Leistung und Verhalten den beruflichen Anforderungen entsprechend messen. Das ist nicht die Aufgabe der Arbeitskollegen, sondern gehört ins Pflichtenheft der Führungsverantwortlichen. Auch hier kann nur präventiv gehandelt werden und nicht „behandelnd“.

Aber auch die Führungsverantwortlichen müssen sich im Klaren sein, dass sie das Alkoholproblem des Mitarbeiters nicht lösen können. Sie können nur unterstützend zur Seite stehen und mit Fragen zum Gesundheitszustand "mir fällt auf, dass...; oder "ich habe das Gefühl dass.." dem Mitarbeiter zeigen, dass man sich Sorgen macht und ihn nicht vor den Kopf stossen will.

Co-Abhängigkeit verhindert angemessenes Handeln:
Wie umgehen mit jemandem, bei dem Verdacht auf Missbrauch oder Abhängigkeit von Suchtmitteln besteht? Häufig werden Vorgesetzte in dieser Situation zu sogenannten Co-Abhängigen, das heisst, sie versuchen Gefährdete oder bereits Abhängige nach oben zu decken, Fehlleistungen wieder gut zu machen und ähnliches mehr.

Damit ist aber auf die Dauer niemandem geholfen, am allerwenigsten den Betroffenen selbst. Im Gegenteil: dieses Verhalten wirkt sich suchtverlängernd aus. (Siehe auch Kapitel Co-Abhängigkeit).

Behandlung von Alkoholabhängigkeit
In der Allgemeinbevölkerung werden die Erfolge einer Alkoholikerbehandlung meistens als sehr gering angenommen.


Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen, aber positiveren Ergebnissen.

Nach einer abgeschlossenen Alkoholtherapie (Entwöhnung) sind ein halbes Jahr später noch ca. 65% “trocken”, nach 1 1/2 Jahren leben noch ca. 50 bis 60% alkoholabstinent.

Sollte jemand rückfällig werden, muss dieses nicht die komplette Erfolglosigkeit der Therapie bedeuten, sondern es geht dann darum, den Rückfall schnell zu stoppen und psychosoziale Folgen zu verhindern: Es sollte bei einem “Ausrutscher” bleiben, der nicht zu einem “ausgewachsenen Rückfall” wird. Insgesamt sind die Erfolgsaussichten einer Therapie positiv zu bewerten.

Die erfolgreiche Therapie setzt voraus, dass der Alkoholabhängige selbst gesund werden will. In der Regel findet unter der Beobachtung von Ärzten sowie Pflegepersonal eine „Entgiftung" des Körpers statt. Zudem leisten Psychologen in Einzel- und Gruppengesprächen Aufklärungsarbeit, um den Patienten zu helfen „trocken" zu bleiben.

Um die Gefahr von Rückfällen (rund 50% werden innerhalb der ersten 3 Monate rückfällig) zu verringern, wird die Therapie in den ersten Monaten teilweise auch medikamentös unterstützt. Dabei wird vor allem der Wirkstoff Acamprosat eingesetzt, der das Verlangen nach Alkohol unterdrücken soll.

Acamprosat indiziert bei Alkoholabhängigkeit: Zur Aufrechterhaltung der Abstinenz nach erfolgter Entzugsbehandlung, in Kombination mit anderen therapeutischen Massnahmen (psychotherapeutischer, psychosozialer, medikamentöser Art) (Quelle: Arzneimittelkompendium).

Langfristig kommen alkoholabhängige Menschen aber nicht darum herum, die persönlichen Probleme anzugehen, die zu ihrer Alkoholabhängigkeit geführt haben. Bis das wirklich geschafft ist, können Jahre vergehen.

Selbsthilfe
Selbsthilfegruppen, wie beispielsweise die Anonymen Alkoholiker bieten sachkundige Unterstützung und können aufgrund des Erfahrungsaustausches der Mitglieder zum dauerhaften Entzug führen. Es gehört ein starker Wille dazu, dauerhaft abstinent zu bleiben. Die Versuchung ist gross: Fast täglich gibt es Ereignisse, die mit Alkohol begossen werden. Aber: Wer einmal abhängig war, ist nie mehr in der Lage kontrolliert Alkohol zu konsumieren.


Rückfälle sind häufig
Die Entwöhnungsphase dauert mehrere Wochen bis Monate. In dieser Phase trainieren die Betroffenen, unterstützt von den Fachleuten einer Beratungsstelle, das Leben ohne Alkohol.

Rückschläge sind während der Entwöhnungsphase vorprogrammiert. Wie bei anderen Abhängigkeiten auch, schaffen Alkoholkranke den Ausstieg meistens nicht auf Anhieb.

Häufen sich die Rückfälle in der ambulanten Therapie, ist der stationäre Aufenthalt in einer Spezialklinik empfehlenswert. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt zwischen drei und zwölf Monaten. Mittlerweile gibt es in der Schweiz auch halbstationäre Einrichtungen.

In der Behandlung von Alkoholismus geht es nicht ausschliesslich um den Entzug.

Psychotherapeutische Einzel- und Gruppenbetreuung, Ehe- und Familientherapie sowie Arbeits- und Beschäftigungstherapie helfen diejenigen persönlichen und sozialen Defizite zu beseitigen, die die Betroffenen immer wieder in die Sucht zurücktreiben.