When the Children cry

Kokain-Konsum in Deutschland fast verdreifacht

Immer mehr Menschen greifen in Deutschland regelmäßig zu Drogen. Um 130 Prozent gestiegen sei in den vergangenen 15 Jahren der Konsum von Cannabis, sagte Jost Leune vom Fachverband Drogen und Rauschmittel (FDR) auf dem 28. Bundes-Drogenkongress in Augsburg. Den Anstieg bei Kokain und Crack bezifferte er auf 270 Prozent im selben Zeitraum. Der FDR warnte deshalb davor, den Geldhahn für Drogenaufklärungs- und Behandlungsangebote noch weiter zuzudrehen.

"Kürzungen das falsche Signal"
Am weitesten verbreitet unter den illegalen Drogen ist Cannabis. Etwa zwei Millionen Menschen konsumieren diese regelmäßig - darunter viele Jugendliche. Über 40 Prozent der 18- bis 20-Jährigen gaben in einer Studie an, Erfahrungen mit Cannabis zu haben. Das Einstiegsalter liegt demnach bei 16 Jahren. "80 Prozent der Cannabiskonsumenten haben keine Probleme", so Jost Leune. Doch rund 200.000 meist junge Menschen bräuchten eine Behandlung.

Kürzungen bei der Drogenhilfe sei das "absolut falsche Signal", warnte Thomas Bader vom FDR vor dem Hintergrund dieser Zahlen. So sei in Augsburg die erfolgreiche Online-Internet-Beratung aus Kostengründen eingestellt worden, ebenso wie das bundesweite Musik-Szenenprojekt zur Drogeninformation und -prävention.

Kleine Mengen, schwere Folgen
Der Ge- und Missbrauch legaler wie illegaler Drogen gehört für viele Menschen längst zum Alltag: Jährlich sterben in Deutschland mindestens 110.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens, rund 40.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums und etwa 2.000 an den Folgen illegalen Drogenmissbrauchs.
Aber schon kleinere Mengen haben Folgen - drei Beispiele:

"Haschisch wird verharmlost", warnt Anton Flunger. Der entscheidende THC-Gehalt der Pflanzen sei in den vergangenen Jahren hochgezüchtet worden. Manche Eltern, beobachtet er, haben früher selbst gekifft, und unterschätzen daher das Suchtpotenzial. Seine Klienten leiden jedoch bereits mit 15, 16 Jahren an Konzentrationsstörungen und Ausfallserscheinungen.


Nach Medikamenten wie Beruhigungs- und Schlafmitteln, Aufputschmitteln und Stimmungsaufhellern sind eher ältere Menschen süchtig. Diese Mittel können körperlich und seelisch abhängig machen. Viele Ärzte haben jedoch keine Bedenken, sie zu verschreiben.


Nikotin hat ein ähnlich hohes Abhängigkeitspotenzial wie Kokain oder Amphetamine. Im Durchschnitt beginnen Jugendliche bereits im Alter von 13 Jahren mit dem Rauchen - Mädchen ebenso wie Jungen. Bereits nach vier Wochen zeigen sich die ersten Symptome von Nikotinabhängigkeit.
Uli Hesse sprach mit dem Kinder- und Jugendtherapeuten Anton Flunger über legale und illegale Drogen. Er ist seit über 20 Jahren in der Sucht-Präventionsarbeit tätig.