When the Children cry

Was ist eigentlich Borderline?

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselnd auftreten.

Grenzgänger oder Grenzlinie als „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ ist ein aus der Psychoanalyse stammendes theoretisches Konstrukt, mit dem versucht wird, eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen zu erklären, die weder in das psychoanalytische Schema einer neurotischen noch einer psychotischen Störung passen.Die Borderline-Störung galt in psychiatrischer Forschung ursprünglich als Begriff, um Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen genauer zu erfassen. Borderline-Persönlichkeitsstörung wird seit dem DSM III auch so genannt.

Dieses Krankeitsbild zeichnet sich durch sehr unterschiedliche Erscheinungen aus. Meist findet sich ein buntes Sammelsurium vieler Diagnosen in der Krankheitsgeschichte.



Symptome:

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Angst (Vernichtungs-, Verlassenheits-, Trennungsangst)
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autoaggressives Verhalten
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Depersonalisations- und Derealisationsgefühle
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Depressionen
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Drogenkonsum
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delinquentes Sozialverhalten
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extreme Idealisierungen oder Entwertungen
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Eßstörungen
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Gefühlsstörungen
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Hysterien
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Identitätsdiffusion
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innere Leere
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impulsive Reaktionsweisen
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Impulskontrollverlust
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Kontaktvermeidung - plötzliche Kontaktabbrüche
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Polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)
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Präventivangriffe
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psychosomatische Symptome
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Realitätsverlust
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Rituale und Zwänge
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Schwarz-Weiß-Denken
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starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen
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Sucht
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Suizidalität
* Zwangssymptome (überwertige Ideen)







Ursachen einer Borderlinestörung

Eine Borderline-Symptomatik und ihre Manifestationen sind das letztendliche Produkt einer komplexen Mischung von angeborenem Temperament, schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und relativ subtilen Formen neurologischer und/ oder biochemischer Dysfunktionen.

Zu diesem multifaktorialen Modell glauben die Forscher, dass 3 Faktoren für die Entwicklung einer BPS notwendig sind: ein Umweltfaktor, ein konstitutioneller Faktor und ein Faktor, der die Interaktion der anderen beiden darstellt oder ein Triggering-Faktor (Auslöser) ist.

Das dreiteilige Modell der Entwicklung einer BPS besteht somit aus :

1. Umweltfaktor: traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit
2. Konstitutioneller Faktor: übersteigertes Temperament
3. Interaktionen von 1. und 2. oder auslösendes Ereignis

Laut Ausage von Untersuchungsberichten, hat jeder Patient eine einzigartige Kombination bei der Entwicklung einer Borderline Störung hat, die eine schmerzvolle Abwandlung eines unglücklichen, aber gleichbleibenden Themas ist.



1. Umweltfaktor

Er besteht aus einer häuslichen Umgebung, die im weitesten Sinne traumatisch ist. Es gibt 3 Typen umweltbedingter Traumata, die nach Schweregrad abgestuft werden.



Typ-I-Trauma: Kindheitserfahrungen, die als unglücklich, aber nicht vollkommen unvorhersehbar kategorisiert werden können. Dazu gehören: dauerhafte Trennung oder Scheidung der Eltern in frühester Kindheit chronische Uneinfühlsamkeit der Eltern in die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes - ernsthafte Konflikte in der Familien, die evtl. zu Trennung oder Scheidung führen



Typ-II-Trauma: - Erfahrungen verbaler oder emotionaler Misshandlungen - Vernachlässigung altersgemäßer körperlicher Bedürfnisse des Kindes durch die Eltern - eingeschränkte Episoden psychiatrischer Krankheit der Eltern



Typ-III-Trauma: - Erfahrungen unverhohlener körperlicher Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs - chronische psychiatrische Krankheit, Substanz-missbrauch der Eltern - generell chaotisches, dysfunktionales häusliches Umfeld (z.B. Eltern, die sich wiederholt heftig streiten; Kinder, die sich gegenseitig körperlich angreifen; niemand befolgt die Familienregeln oder achtet die persönlichen Grenzen eines anderen Familienmitglieds). In diesen Familien existiert nur eine unzureichende Rollenzuteilung und es besteht kaum die Möglichkeit, Gefühle und Erwartungen auszudrücken. Ihr Ausdruck führt nicht zu einer empathischen oder unterstützenden Antwort, sondern zu Kritik, Vorwürfen oder überhaupt keiner Antwort.



Diese 3 Typen umweltbedingten Traumas, die sich häufig in den Geschichten von BPS-Patienten finden, können abwechselnd oder gleichzeitig auftreten. Neueste Ergebnisse der Forschung fanden, dass etwa die Hälfte der BPS-Patienten von einem Typ-I- und/ oder Typ-II-Trauma in der Kindheit berichteten. Die anderen Hälfte berichtete sogar von allen 3 Typen, dass sie in ihrer Kindheit stattgefunden haben. Bei einem Drittel der Patienten, die von schwerem Missbrauch oder Misshandlungen berichten, kommt dem erlebten Trauma eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer BPS zu. Bei den verbleibenden 2/3 haben andere Faktoren eine bedeutendere Rolle gespielt.

Vorläufig empirisch erforschte 6 Faktoren, die äthiologische Bedeutung für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben:






3 Umweltfaktoren (traumatisierende Kindheitserfahrungen)

* Trennung/ Scheidung/ Verlust eines Elternteils in früher Kindheit
* Gestörte Beziehung zu den Eltern
* Kindheitserfahrungen von Missbrauch oder Misshandlung




3 Konstitutionelle Faktoren (angeborene und/ oder erworbene Verletzbarkeit)

* Familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen
* emperamentsbedingte Verletzbarkeit
* Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen




Trennung/ Scheidung/ Verlust eines Elternteils in früher Kindheit

Dauerhafte Trennung/ Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils kommt bei Borderline-Patienten häufig vor (37 - 64 %)

Dauerhafte Trennung/ Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils unterscheidet Borderline-Patienten sehr gut von anderen; ein signifikant höherer Prozentsatz von BPS-Patienten berichtete davon, als bei Kontrollgruppen mit Psychose, affektiven oder Persönlichkeitsstörungen.



Gestörte Beziehung zu den Eltern

Studien ergaben:

* Borderline-Patienten sehen das Verhältnis zu ihrer Mutter gewöhnlich als konfliktbeladen, distanziert oder unbeteiligt an
* Das fehlende Engagement des Vaters ist sogar ein noch stärker unterscheidender (diskriminierender) Aspekt dieser Familien, als das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Kind
* Gestörte Verhältnisse zu beiden Elternteilen gleichzeitig könnten sowohl spezifischer für die BPS als auch pathogener (krankheitsauslösender) sein, als das gestörte Verhältnis zu nur einem Elternteil, da eine problematische Beziehung des Kindes zu einem Elternteil nicht ausreichend durch eine wirklich positive Beziehung mit dem zweiten Elternteil, die als schutzgebend gegen die Psychopathologie fungieren würde, ausgeglichen werden kann. Vielmehr ist die elterliche Beziehung in Borderline-Familien oftmals von einer rigiden Festigkeit der ehelichen Beziehungen gekennzeichnet, die Aufmerksamkeit, Unterstützung und Schütz für die Kinder ausschließt
* Borderline-Patienten berichten einigen Untersuchungen zufolge von häufigem Auftreten von Konflikten, Feindseligkeit und chaotischer Unvorhersehbarkeit in ihren Ursprungsfamilien. Ein hohes Maß an zornigen Konflikten dürfte in Kombination mit einem geringen Ausmaß an Struktur und unterstützender Kohäsion als wahrscheinlicher Auslöser für ein besonders toxisches familiäres Umfeld angesehen werden.
* Zwei unterschiedliche Erziehungsstile fanden sich in den Familien von Borderline -Patienten
* Überengagement der Eltern
* Unterengagement der Eltern




Überengagierte, feindselig-abhängige, trennungsresistente Familien

Hier stehen die Kinder oft im Kampf mit ihrer Abhängigkeitsproblematik, weil jeder Schritt in Richtung größerer Unabhängigkeit bei den Eltern eine intensive emotionale Reaktion auslöst, andererseits aber die Abhängig-keitsbedürfnisse der Kinder oftmals von der Familie aktiv belohnt werden. Individuationsversuche lösen Angst vor dem Verlust der Kontrolle bei den Eltern aus, was zu einer gesteigerten Einmischung dieser in die Belange des Kindes führt. Solche familiären Konflikte spitzen sich im Laufe der Zeit spiralförmig zu.



Unterengagierte Eltern mit geringer Fürsorge und Überprotektion

Dieses familiäre Muster ist häufiger verbreitet und durch zahlreiche Studien mit verschiedenen Kontrollgruppen abgesichert. Bei den meisten davon fand sich übereinstimmend das Muster, dass Borderline-Patienten beide Elternteile als weniger fürsorglich, aber stärker schützend erlebten, als die jeweilige Kontrollgruppe. Die Kombination von geringer Fürsorge und emotionaler Unterstützung sowie Überprotektion bestätigt den von Parker et al. schon 1979 geprägten Begriff der ,,lieblosen Kontrolle". Insgesamt entsteht aus den jüngst veröffentlichen Ergebnissen der Eindruck, dass die pathologische Dynamik der Familien in einer Kombination von elterlichem Überengagement (vor allem Kontrolle) und Vernachlässigung, Unterengagement oder sogar Misshandlung und Missbrauch besteht.



Kindheitserfahrungen von Missbrauch und/ oder Misshandlung

* Sowohl körperliche Misshandlung, als auch sexueller Missbrauch kommen häufig in der Kindheitsgeschichte von Borderline-Patienten vor.
* Körperliche Misshandlung wird im von Borderline-Patienten signifikant häufig berichtet
* - Sexueller Missbrauch wird durchgängig signifikant öfter von BPS-Patienten berichtet als in anderen Krankheitsgruppen
* Ein Viertel aller BPS-Patienten berichtet Kindheitserfahrungen von Eltern-Kind-Inzest
* Weitere 25-30 % berichten von sexuellem Missbrauch durch andere Verwandte, Nachbarn oder Gleichaltrige
* Borderline-Patienten erreichen im Vergleich zu Kontrollgruppen mit anderen Persönlichkeitsstörungen ungewöhnlich hohe Werte bei Dissoziationserfahrungen




Zusammenfassend kann man sagen, dass kein spezielles Trauma alleine und schon gar kein Einzelereignis für die Entwicklung der ganzen Bandbreite der Borderlinestörung verantwortlich gemacht werden kann. Vielmehr müssen eine chronische und wiederholte Exposition traumatischer Erfahrungen und das gestörte Umfeld, in dem es zu diesen Erfahrungen kommt, als Nährboden für die Entstehung einer Borderline Störung angesehen werden. Das Fehlen adäquater Unterstützung in Form von stabilen Strukturen, beruhigender Anwesenheit und aktiver Erziehung oder eines entsprechenden Ersatzes in der Familie ist als ätiologischer Faktor für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeit von größerer Bedeutung als das erlebte Trauma.

Der zweite notwendige Faktor ist ein anfälliges Temperament. Im wesentlichen geht es um die neurobiologischen Mechanismen, die der Impulskontrolle und Affektregulation zugrunde liegen, die beide bei Borderline -Patienten häufig beeinträchtigt sind. Eine Dysfunktion in der Regulation von Emotionen und Impulsen kann sich von einer genetischen Anfälligkeit herleiten. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass Störungen in der Temperamentregulation sich auf die Auswirkungen früher, sowohl akuter als auch wiederholter oder chronischer Traumatisierung zurückführen lassen.



Familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen

10 Studien haben sich mit einer Breite von psychiatrischen Störungen bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten beschäftigt. Die Studienergebnisse zusammen genommen zeigen folgende Schlüsse auf: Erstens: Es gibt durchgängig wenig Verbindungen zwischen BPS und Schizophrenie oder schizotypischer Persönlichkeitsstörung. Zweitens: Affektive Störungen, teilweise unipolare affektive Störungen treten bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten durchgängig sehr häufig auf. Aber die unipolare Depression wurde auch bei Verwandten in den Kontrollgruppen häufig gefunden. Drittens: Die Resultate der Studien legen eine starke familiäre Verbindung zwischen Substanzmissbrauch sowie antisozialer Persönlichkeitsstörung und BPS nahe. Viertens: Und vielleicht am wichtigsten, alle Studien fanden, dass BPS von einer Generation an die nächste weitergegeben wird: BPS tritt signifikant häufiger bei Verwandten ersten Grades von BPS-Patienten auf, als bei den Kontrollgruppen. Zwillingsstudien an ein- und zweieiigen Zwillingen lassen zunehmend den Schluss zu, dass die BPS ( Borderline Persönlichkeitsstörung) selbst zwar nicht vererbbar ist, jedoch die bei einer BPS vorliegende impulsive Aggression und affektive Instabilität. Impulsive Aggression ist auch in der Allgemeinbevölkerung erblich. In der Verwandtschaft von BPS-Patienten sind impulsiv-aggressive Persönlichkeiten und affektive Instabilität gehäuft gefunden worden. Diese Eigenschaften werden aber unabhängig von einander vererbt. Somit ist es wahrscheinlich, dass eine Anfälligkeit für eine BPS einer Verbindung verschiedener zum Teil genetisch determinierter Anteile des Temperaments entspringt



Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen


Die Ergebnisse der Studien zu neurologischen oder biochemischen Fehlfunktionen bei Borderline-Patienten sind uneindeutig.
Die Hälfte der Studien finden im Vergleich mit Kontrollgruppen mit psychiatrischen oder PS-Diagnosen Unterschiede (1-mal sogar signifikant): Entwicklungsdefizite, Intelligenzminderung, abnormale EEG-Werte, abnormale CT-Werte. Die andere Hälfte meint, dass sich die BPS-Patienten in ihren Werten nicht von normalen oder klinischen Kontrollgruppen unterscheiden.
Am besten abgesichert sind die Ergebnisse der Studien, welche die neurobiologischen Mechanismen der beiden zentralen Störungsbereiche der BPS untersucht haben, nämlich die impulsive Aggression und fehlende Wutkontrolle sowie die affektive Instabilität.
Mehrere Studien wiesen einen Zusammenhang zwischen impulsiver Aggression und einer herabgesetzten serotonergen Reaktion nach, der sich bei BPS-Patienten, aber auch bei anderen PS-Patienten finden lässt. Dies betrifft sowohl Autoaggression (Selbstschädigendes Verhalten, Suizidversuch) als auch Fremdaggression (Wutausbrüche, Gewalt). Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (CT, PET, fMNR) belegen, dass eine serotonerge Hypoaktivität in einzelnen Hirnregionen mit der Auslösung und Kontrolle von aggressivem Verhalten assoziiert sind.
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der dopaminergen Aktivität und Aggression. Die Untersuchungen dazu sind allerdings widersprüchlich.


---ICD-10 / DSM-IV---



Die Abkürzung ICD steht für "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems". Die Ziffer 10 bezeichnet deren 10. Revision. Diese Klassifikation wurde von der Weltgesundheitsorganisation - WHO erstellt und ist auch für psychologische und psychotherapeutische Diagnostik verbindlich.



F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.



Man unterscheidet hierbei in zwei Gruppen:

* F60.30 impulsiver Typus
* F60.31 Borderline Typus




F60.30 impulsiver Typus

Die wesentlichen Charakterzüge sind emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle. Ausbrüche von gewalttätigem und bedrohlichem Verhalten sind häufig, vor allem bei Kritik durch andere.

Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen, darunter 2.:

* deutliche Tendenz unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln;
* deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden;
* Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens;
* Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden;
* unbeständige und unberechenbare Stimmung.




F60.31 Borderline Typus

Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und "innere Präferenzen" (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden, und mit Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen (diese können auch ohne deutliche Auslöser vorkommen

Mindestens drei der oben unter F60.30 B. erwähnten Kriterien müssen vorliegen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen:

* Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und "inneren Präferenzen" (einschließlich sexueller);
* Neigung sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen;
* übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
* wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung;
* anhaltende Gefühle von Leere.




Diagnostische und Statistische Manual für psychische Störungen ( DSM) der American Psychiatric Association



DSM - IV

1. Ein Verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Verlassenwerden zu verhindern ( außer Suizid oder Selbstverstümmelung).
2. Ein intensives Muster von instabilen, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch ein Wechsel zwischen den beiden Extremen Überidialisierung und Abwertung auszeichnet.
3. Identitätsstörung: Anhaltend und deutlich gestörtes, verzerrtes oder instabiles Selbstbild bzw. Gefühl für die eigene Person ( z.B. Gefühl, nicht zu existieren oder das Böse zu verkörpern).
4. Impulsivität bei mindestens zwei potentiell selbstschädigen Aktivitäten ( Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses fahren, Fressanfälle- außer Suizid oder Selbstverstümmelung).).
5. Wiederholte Suiziddrohungen, - Gesten oder Versuche oder selbstverstümmelnde Verhaltensweisen
6. Instabilität im affektiven Bereich: Ausgeprägte Stimmungsschwankungen ( z.B. Euphorie, Reizbarkeit oder Angst), wobei diese Zustände gewöhnlich ein paar Stunden, seltener länger als einige Tage andauern.
7. Chronisches Gefühl der Leere.
8. Übermäßige, starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren ( z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut oder wiederholte Prügeleien).
9. Vorübergehende, stressabhängige schwere dissoztiative Symptome oder paranoide Wahnvorstellungen






Gemeinsame Merkmale der Borderline-Partner



* Der Wunsch andere sogar auf unsere eigenen Kosten glücklich zu machen (Co-Abhängigkeit)
* Die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen
* Übertriebene Nachgiebigkeit.
* Das Gefühl, dass wir alles besser machen müssen, und unser Bestes ist nie genug. (Perfektionismus).
* Die Unfähigkeit, den Blick auf sich selbst zu richten, und die Tendenz, sich zu schnell verleiten zu lassen, sich nur noch mit dem Borderliner zu befassen. (Es ist leichter, über Probleme des Anderen nachzudenken, als über die eigenen.
* Das Fehlen von klaren Grenzen (andere Menschen würden Wutausbrüche nicht tolerieren.)
* Das Gefühl wir wissen alles besser (was selbst den vernünftigsten Menschen zu einem Borderline- Wutausbruch verleitet).
* Die Intensität und Hingabe an Verpflichtung und Treue.
* Eine unerschütterliche Hoffnung gepaart mit der Erwartung, dass wir es schaffen müssen, etwas positives zu bewirken, die Umstände zu verbessern.
* Die Bereitschaft, die geringste "Verbesserung" als unbestreitbaren Fortschritt zu interpretieren
* Die Bereitschaft, uns selbst aufzugeben, dabei den Anderen aus voller Überzeugung nicht aufzugeben und die Unfähigkeit zu erkennen, dass sich dadurch nichts verändert außer dass die Selbstabwertung vom Anfang des Abwärtsstrudels fortgeführt wird - nur ist sie jetzt eingehüllt in einer Definition der Menschlichkeit.
* Ein schwaches verzerrtes Selbstbild oder einfach Selbsthass.
Nichts, was ich tue, ist gut genug / das Bedürfnis, kritisiert zu werden.
* Ich rechtfertige meine Existenz dadurch, dass ich für Andere lebe.
* Das Bedürfnis kontrolliert zu werden / die Unfähigkeit, selbst zu bestimmen.
Irrationale Loyalität gegenüber anderen - die Bereitschaft, das eigene Ich aufzugeben, aber nicht den Anderen.
* Die Unfähigkeit, unsere eigenen verletzten Gefühle zu erkennen, trotz emotionaler Verletzung.
* Die Fähigkeit, eine Situation zwar augenblicklich zu beurteilen, jedoch die Reaktion darauf zu aufzuschieben. (wie ein Reh vorm Scheinwerfer).
* Die Fähigkeit, auf Genugtuung oder Wiedergutmachung wenn es sein muss für immer zu verzichten
* Leid ertragendes Martyrium - niemand anderes könnte dies ertragen, aber ich kann es und ich tue es.
* Die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, aber nicht zu delegieren.
* Die Anfangsfähigkeit, den Wald trotz der Bäume zu sehen, aber schliesslich doch nicht in der Lage zu sein, dem Dschungel zu entkommen.
* Die Unfähigkeit, Menschen zu erlauben, zu versagen oder zu leiden
Die Tendenz, sich für andere verantwortlich zu fühlen, auf Kosten der Verantwortung für sich selbst.
* Unsicherheit, was die eigenen Werte betrifft und die Abhängigkeit von der Meinung anderer.
* Die Bereitschaft, rückwärts durch brennende Reifen zu springen, einfach alles zu tun, um die Bestätigung einens Menschen zurückzugewinnen, die vorher vorhanden gewesen zu sein schien.
* Die Entschlossenheit sich weiter zu bemühen, koste es was es wolle.
* Übermässige Gewissenhaftigkeit.
* Bereit, "zu gut für diese Welt" zu scheinen, mit guten Absichten, Optimismus, eine versöhnliche Natur, wir werben für bedingungslose Liebe, bieten einen Ort an, wo ein Borderliner sich warm und sicher fühlen kann - für eine gewisse Zeit.
* Die Überzeugung, ich sei die einzige Rettung für den "armen" Borderliner in meinem Leben. Wenn er oder sie mir vertrauen würde, würden wir beide wahres Glück finden.
* Hingezogensein zu Drama, Leidenschaft und Märchen; Glaube an einen Seelenverwandten als Partner .... und wenn sie nicht gestorben sind...
Wenn ich diesen Menschen "rette", würden er/sie mir ewig verpflichtet und dankbar sein - d.h.: würde mich nie verlassen; ( eigene Ängste verlassen zu werden)
* Niedriges Selbstvertrauen, das bedeutet, dass ich denke, dass ich nichts besseres verdiene als das, was ich im Augenblick bekomme.